Kunst, Farbe, Märchen und Träume

 

 als Sprache in

 

Kommunikation, Therapie und Pädagogik

 

 

 

Aufgrund des Unfalltodes meiner Tochter,

nehme ich aktuell keine Aufträge an. 

 

 

Eigene Arbeit, Judith Machacek


 

 

23. August 2017

 

Ich werde immer wieder gefragt, wie es mir geht........  : der Versuch einer Antwort.

 

Wie den Tod meines Kindes (20) verkraften, wohin mit all meiner Trauer und Ohnmacht und Wut? Wie in all dem eine zugewandte Mutter bleiben für meine andere Tochter, die ich ebenso liebe? Wie die Gradwanderung schaffen, zwischen sich Sorgen und dem anderen Raum lassen? Sollte man das Lieben lieber aufhören, dann täte der Verlust nicht so weh? Nein, sich aufrichtig lieben, ist so wichtig.

 

Ist es Leben oder eher Überleben? Tränen, so viele, immer wieder. Trauer über das Verlorene. Dankbarkeit für das was war. Und Freude, ja, auch diese! Über das was ist: meine jüngere Tochter. Woher die Erinnerungen zurückbekommen, die Stunden, Tage, Wochen nach dem Unfall? So vieles weg, nicht mehr vorhanden, wie ausgelöscht. War mein Abschied "gut genug",  im völligen Schock? Es war so wenig Zeit! Ich war doch da - wo war ich nur?Das Zeitgefühl. Es gibt ein Davor und ein Danach.

 

Fragen drängen sich auf, immer neue und ich frage. Antworten finden sich ein, immer wieder, die schmerzen.Mein Kind - eine Aktennummer, ein Vorgang. Leider sei die Bitte der Niederländer, mich umgehend über den - "kritischen Zustand meiner Tochter zu informieren und das sie operiert wird "  - "eine Nachricht von über 1000 jeden Tag gewesen. Die könne man nicht alle sofort lesen und die Bearbeitung bräuchte ja auch noch Zeit....... ". ("Danke" Wiesbaden, war die Farbe der Notice blau?). Als sie mich dann nach vielen Stunden endlich erreichte, war es längst zu spät! Muss ich das einfach so hinnehmen? Die Versicherung drückt mir parallel ihr Beileid aus, aber..... .  Ich ahne. Das Aber tut weh. Zu schnell gestorben, kein Schmerz der anerkannt werden könnte, für Mutter und Schwester gleich gar nicht..... . Deutschland ist da nicht anders. Ihr könntet miteinander lernen.....

 

Und überhaupt..... : Gott? Wo warst du?! Wo bist du, gibt es dich doch nicht? Dein Himmel, den ich anderen an ihrem Lebensende aus tiefstem Herzen so fest versichern konnte, ist plötzlich schwer. In guten Zeiten eher leise zu und mit dir und über dich geredet. Jetzt ist meine Klage laut. Ja, das ist unfair, du hast recht. Deine Wege verstehe ich auch nicht.

 

Dazwischen Lichtblicke, immer wieder. Dir sei Dank. Ein Kloster. Weit weg, nicht zu weit. Ein Platz für mich, zum richtigen Moment. Welch eine Fügung. Ein Orden, der mich ausgehalten hat, mit all dem Benannten hier. Zuhören, Anteilnahme, Berührung, Wege finden..... . Was hab ich geweint! Mich versucht am Dunkeln, am Bitteren in mir, aber es will noch nicht so recht ans Licht. Tränen der Wut und Klage fühlen sich anders an als Trauer, ich ahne. 

Da ist noch zu viel Ohnmacht, zu viel Verlust. Und Verletzungen. Seelische Verwundungen, auch die meiner Tochter. 
 

Ein Bild (das obige), hat es dort ins Leben geschafft. Ich an das Dunkel gedacht - das Jetzt und Noch und auch an das Helle gedacht - meine Erinnerung, die immer ist. Dazwischen nichts, was ich in Farbe oder Worte hätte kleiden wollen. Außer ein Schmetterling, die Hoffnung, die alles miteinander verbindet, irgendwann. Irgendwann wächst zusammen.

 

 

„Gott ist viel größer als dein Schmerz“ 

 

 

Diesen Satz schenkte mir ein Gast unerwartet vor meiner Abreise. Dann muss er unermesslich groß sein! 

 

Daran halte ich fest, daran will ich glauben.

 

 

Judith Machacek