Kunst, Farbe, Märchen und Träume

 

 als Sprache in

 

Kommunikation, Therapie und Pädagogik

 

 

 

 

Ab März 2018 nehme ich wieder Anfragen zu Aufträgen an. 

 

 

Aquarellkreide auf Platte, 50x60 cm /Judith Machacek 2016

 

 

 

Trägst du sie immer noch? 

 

(der Verfasser ist mir leider unbekannt)

 

 

Auf dem Rückweg von einer längeren Pilgerreise näherten sich zwei Zen-Mönche einem Fluss. Schon von Weitem konnten sie eine anmutige, junge Frau erkennen, die unruhig am Flussufer hin und her trippelte. Es stellte sich heraus, dass sie nicht schwimmen konnte und so fürchtete sie sich, den Fluss zu überqueren.

 

Der jüngere Mönch hob sie deshalb auf seine Schultern und trug sie ans andere Ufer hinüber. Dort setzte er sie sogleich ab und die junge Frau und die zwei Mönche gingen wieder getrennte Wege.

 

Der andere Mönch aber kochte vor Wut und Empörung. Buddhistischen Mönchen war es verboten eine Frau zu berühren! Und dieser scheinheilige Kerl hatte die junge Frau nicht nur berührt, sondern sie sogar auf seiner Schulter getragen! Was für ein Frevel! Eine der heiligsten Regeln war gebrochen! Er sagte kein Wort, aber das unzüchtige Bild verfolgte ihn Meile um Meile und er wurde immer wütender.

 

Am Abend erreichten sie ihr Kloster. Kurz bevor sie durch das Tor traten, hielt der empörte Mönch den Jüngeren am Ärmel fest. “Hör zu” sagte er, “was du heute getan hast, werde ich dem Meister melden müssen. Du hast ein Verbot übertreten und musst dafür bestraft werden. Ich werde es melden müssen.”

 

Der andere Mönch sah ihn überrascht an. “Wovon redest du?” fragte er. “Was musst du melden?” “Tu doch nicht so unschuldig. Du hast die schöne, junge Frau über den Fluss getragen! Hast du das etwa vergessen?” entgegnete der erboste Mönch.

 

Da begann der andere Mönch zu lachen. “Das stimmt” sagte er, “das habe ich getan. Aber ich habe sie vor vielen Stunden am Flussufer abgesetzt. Trägst du sie etwa noch immer?”