Kunst, Farbe, Märchen und Träume

 

 als Sprache in

 

Kommunikation, Therapie und Pädagogik

 

 

 

Aufgrund des Unfalltodes meiner Tochter,

nehme ich aktuell keine Aufträge an. 

 

 

Spiegelreflexaufnahme, ohne jede Nachbearbeitung. Foto Judith Machacek

 

 

 

19. Oktober 2017

 

 

Dieses Foto entstand, als ich vergangenen Sonntag wie neben mir durch unseren Hofgarten in Bayreuth ging. Mein Zeitgefühl lässt noch immer zu wünschen übrig und ich war sicher, es sei Montag. Ich versuchte, den Moment einzufangen: den blauen Himmel und die goldenen Herbstblätter. Ich wollte versuchen, das Schöne irgendwie wahrzunehmen und es zog mich wie so oft zum Wasser. 

 

"Neben mir" und all diesen schönen Eindrücken, ging die Tiefe und der Verlust, die mich seit Leonies Tod oft begleiten. Gerade wieder, nach dem milden Verhandlungs-Urteil vor einer guten Woche. Trotzdem meldet sich die Hoffnung zurück oder ist es pure Verzweiflung? Mein Wunsch wieder "leben zu wollen", nicht nur überleben! Für so vieles: Für meine jüngere Tochter, die ich ebenso liebe, für mich, für Leonie.Vielleicht auch, um in der Zukunft etwas zu bewegen, das anders laufen könnte, für Opfer und Hinterbliebene? Aber das erst irgendwann. Alles zusammen, ein sehr ambivalentes Gefühl. Ich könnte weinen und lächeln gleichzeitig.

 

Als ich am Wasserrand stand, lange hineinsah und sich mein Blick darin verlor, fand sich dieses Bild: eine verzauberte Welt - hinter dem Horizont? Bäume, die sich auf der Wasseroberfläche spiegelten, Blätter, die im Wasser schwammen, ein Dunststreifen am Horizont, gerade erst eingeflogen..... . Unwirklich, denn wenige Meter nebenan schwammen Enten ihre Kreise und das Wasser war unruhig. Nicht hier, bei mir. Es sieht fast aus, wie ein glasklarer Himmel in der Dämmerung oder wie ..... es mag jeder selber hinein- oder herauslesen was er sieht. 

 

Mein Silberstreif am Horizont? Ein Gruß aus IHRER Welt? Zwei Bäume wie nah und doch nicht mehr zusammen und selbst jetzt irgendwie im Dialog? Ich möchte so gerne glauben, das meine Tochter noch immer da ist, nur anders. Und das tue ich. Ob ich mir dies alles zusammenreime? Tut man das, weil es sonst unerträglich ist, der plötzliche Verlust? Egal, es war ein wunderbarer Augenblick und ja, ich glaube, ich bin noch bei Verstand. Vor allem im Herzen.

 

Ich habe das Gefühl, dass die Zeit nach dem Tod eines Menschen, den man sehr geliebt hat, einen - mich / für Leonie "durchlässiger" gemacht hat? Als hätte ich einen, ungewohnten, zweiten Hoffnungs-Blick auf das Gleiche, bereits Bekannte geschenkt bekommen? Eine Wahrnehmung und ein Erkennen, welches sich nach dieser besonderen und schweren Zeit, in der man realisieren muss, das der andere nie wieder kommt, sich wieder beginnt zu schließen oder sich verflüchtigt? Ich habe keine Antworten darauf, vielleicht eines Tages. Sie sind mir im Moment auch nicht wichtig. Der Zauber verflöge sonst. 

 

Vielleicht ist es dies, was mich (und auch andere - denen es nach dem Tod ihrer Liebsten ähnlich geht?) die letzten Monate hat überleben lassen? Ich teile diesen Moment einfach mit Ihnen und euch.... er ist mir soviel wert..... .

 

 

 

Leonie, ich liebe und vermisse dich!

Louisa, ich liebe dich!

Mama

 

 

 

Judith Machacek